Faszination Traktoren

Dr. Klaus Herrmann
Dr. Klaus Herrmann

Die Landwirtschaft auf der Erde, die zur Zeit 6,8 Mrd. Menschen satt zu machen hat, kommt ohne Traktoren nicht aus. Der weltweite Schlepperbestand ist nicht genau bekannt, dürfte aber bei rund 30 Mio. Fahrzeugen liegen. Jährlich neu hergestellt werden etwa 800.000 Traktoren, die meisten davon in den asiatischen Schwellenländern, zu denen Indien, China, Iran und die Türkei zählen.

Traktorland Nr. 1 in der Welt ist übrigens Indien mit einer Jahresproduktion von über 300.000 Exemplaren. Auch Japan kann sich mit der Herstellung von jährlich rund 200.000 Traktoren sehen lassen. Sicher sind die meisten dieser asiatischen Zugmaschinen mit den Hightech-Traktoren der nordamerikanischen und europäischen Hersteller nur eingeschränkt vergleichbar. Doch zu unterschätzen sind die Kubota, Iseki, Mahindra und Yanmar-Schlepper nicht. Stimmt das Preis-Leistungsverhältnis, finden asiatische Traktoren in den westlichen Industrieländern durchaus ihren Markt.

 Umgekehrt haben die nordamerikanischen und westeuropäischen Hersteller von Agco über Case und John Deere bis hin zu SDF den asiatischen Raum längst in ihre Strategienein bezogen ? sei es über Joint Ventures oder sei es über preisgünstige, technisch abgespeckte Baureihen. Als ?Classic?-Versionen tragen sie dazu bei, im Aufbau befindliche Landwirtschaften zu bezahlbaren Preisen mit bewährter Technik zu versorgen. Dies gilt auch für den osteuropäischen Markt. Hier werden unkomplizierte, robuste und vor allem zugstarke Maschinen immer noch nachgefragt, Traktoren, die den Winter über im Freien stehen können, ohne dass deshalb die Elektronik ausfällt.

Daneben schreitet die Perfektionierung der Hightech-Traktoren unaufhörlich voran. Emissionsreduzierte Motoren, elektrische Antriebe, stufenlose Getriebe, GPS-gesteuerte Lenkungen, hoher Federungskomfort und pflanzenöltaugliche Motoren sind nur einige der Felder, auf denen sich die Konstrukteure der Konzerne profilieren. Und sie tun dies mit Erfolg. Die Dynamik in der Schlepperentwicklung wird sich weiter beschleunigen. Konnte der Wettbewerb der Hersteller vor einigen Jahren noch mit ?größer, stärker, schneller? umschrieben werden, so kommt es in Zukunft auf Kraftstoffersparnis, Bedienerkomfort und Zuverlässigkeit der hydraulischen und elektronischen Komponenten an. Vorbei sind die Zeiten, da es hieß:?Der Trecker stinkt und raucht, und geht niemals, wenn man ihn braucht.? Interessanterweise hat dies dem Ruf des Schleppers in den 1920er Jahren kaum Abbruch getan. Als Bote einer neuen, mechanisierten Landwirtschaft hat man ihm Schwächen nachgesehen, die zudem bald überwunden waren.

Die Entwicklung der Traktoren war und ist spannend. Am Samstag, 12. September 2009 kann man sich davon überzeugen, wenn es auf den Feldern des traditionsreichen Hohenheimer Meiereihofs heißt: ?Faszination Traktoren?. Ab 11.30 Uhr wird im Rahmen des 15. Hohenheimer Feldtags eine Zeitreise durch die Traktorengeschichte unternommen, bei der frühe Bulldogsund Bauernschlepper der 1950er Jahre ebenso im Einsatz sind wie die PS-starken Hightech-Kraftpakete der Gegenwart.

Dr. Klaus Herrmann, Leiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums 

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